Tagesfahrt

Die Jonges im Nationalpark Eifel

Eine Gruppe von Menschen steht auf einem gepflasterten Platz vor einem modernen Besucherzentrum und hört aufmerksam einem Reiseleiter zu.

Am Donnerstag, den 9. Juli, fuhren die Ratinger Jonges mit Ihren Ehefrauen und Partnerinnen in den Nationalpark Eifel.
Nach einer zweistündigen Busfahrt mit einigen kleinen Staus – wie sollte es anders sein – kamen wir bei der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang an.
Eine 90-minütige Führung über das Gelände brachte uns das Ganze näher.

Als die NSDAP 1933 an die Regierung kam, fehlten ihr für den Umbau des Staates viele linientreue Führungskräfte. Viele Ämter und Posten mussten mit den „eigenen Leuten“ besetzt werden. So erstellte Robert Ley, einer der führenden NSDAP-Politiker, ein Konzept, was eine dreijährige Ausbildung des Nachwuchses in sog. Ordensburgen vorsah. Der Leitgedanke dahinter waren die Burgen aus dem Mittelalter, die in erster Linie Macht, Herrschaft und Wehrhaftigkeit symbolisierten. 1934 – 1936 wurde dann mit dem Bau der Ordensburgen Vogelsang (Eifel), Sonthofen (Allgäu) und Krössinsee (Pommern) begonnen. Das Aussehen der nationalsozialistischen Ordensburgen wird architektonisch als Monumentalarchitektur, Heimatstil und historisierende Trutzburg-Architektur bezeichnet. So durften ein Palas (Saalbau) und ein Turm nicht fehlen. Die Mauern/Wände wurden in Bruchsteinoptik ausgeführt, was an eine alte Burg erinnert.

Der erste Ausbildungslehrgang mit 500 jungen Männern kam 1936 nach Vogelsang. Da es aber noch kein Konzept für eine dreijährige Ausbildung gab, wurde diese zunächst auf ein Jahr reduziert. Zudem sollten bald 1000 junge Menschen im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie ausgebildet werden. Da dafür die Unterkünfte nicht reichten, musste der Gebäudekomplex erweitert werden. Mit Beginn des zweiten Weltkrieges wurden die Männer zum Wehrdienst eingezogen und eine Adolf-Hilter-Schule eingerichtet. Aber auch diese hat nie richtig den Betrieb aufgenommen.

Mit Ende des Krieges waren dort bis 1950 britische Soldaten von der Besatzungsarmee stationiert. Diese bauten das umliegende Gelände zu einem Truppenübungsplatz aus. Den Briten folgte die Belgische Armee. Sie blieben bis zum Jahre 2005. In diesen Jahren wurden weitere Kasernengebäude und ein Kino für 800 Zuschauer gebaut. Im Jahre 2004 wurde das Gelände dem Land NRW übergeben. Gleichzeitig wurde der Nationalpark „Eifel“ gegründet. Seitdem wird das Gelände mit seinen Bauten kontinuierlich einer neuen Nutzung zugeführt.

Heute ist die ehemalige NS-Ordensburg ein Erinnerungsort, der für Toleranz, Vielfalt und ein friedliches Miteinander steht. Herz der Anlage ist das Forum Vogelsang IP mit einem Ausstellungs- und Tagungszentrum.
Beeindruckend war im Anschluss der Führung der Besuch der Dauerausstellung „Bestimmung Herrenmensch. NS-Ordensburgen zwischen Faszination und Verbrechen“. Mit einer Vielzahl von Text-, Video-, Bilddokumenten und Objekten ermöglichte sie einen Einblick in das Leben in der NS-Ordensburg und die »fatale Attraktion« des Nationalsozialismus. Es ist erschütternd, wie und womit das NS-Regime versucht hat, aus jungen Menschen das Idealbild eines „neuen deutschen Menschen“ – einen „Herrenmensch“ zu formen.
Zur Stärkung ging es dann ins Restaurant vor Ort. Um 14.15 fuhren wir mit dem Bus weiter, um in Einruhr auf einem Elektroschiff eine Stunde den Rur-Stausee und die Natur drumherum zu genießen und zu bewundern.

Die Rurtalsperre (Rursee und Obersee), die zusammen mit dem Obersee und dem Urftsee die bekannte Eifeler Seenplatte bildet, ist mit 203 Mio. m³ und einer Wasserfläche von 8 km² die zweitgrößte Talsperre der Bundes-republik. Zusammen mit dem Obersee ist sie etwa 22 km lang. Das Gesamtfassungs-vermögen der Eifeler Seenplatte beträgt mehr als 250 Mio. m³. Damit wird das Trinkwasser für etwa eine Million Menschen gesichert und in 2 Kraftwerken werden jährlich etwa 46 Mio. kWh Strom erzeugt. Am Ufer führen keine Autostraßen entlang.

Nach einer zweistündigen Rückfahrt über volle Autobahnen kamen alle Jonges und Ehefrauen/ Partnerinnen mit vielen Eindrücken, besonders aus dem NS-Dokumentationszentrum, wieder in Ratingen an. Zum Ausklang wurde ein Abend im Brauhaus angeboten.
Alles in allem ein gelungener Tag
Im Folgenden ein paar Impressionen vom Tag