Projekt

Dicker Turm

Dicker Turm

Vergangenes lebendig werden zu lassen und zu pflegen ist eines der großen Anliegen der Ratinger Jonges. Unter diesem Aspekt sind die Übernahme und Sanierung des „Dicken Turms“ zu sehen. Der mächtigste der ehemaligen Wehrtürme der Stadt Ratingen, der Dicke Turm in der Turmstraße wurde von 2007 bis 2009 durch die Ratinger Jonges saniert.

Eine Wand mit den Namen der Sponsoren und Unterstützer für die Restaurierung des Dicker Turms in Ratingen.
Sponsorentafel

Die Kosten für die Baumaßnahmen betrugen einschließlich aller Handwerksarbeiten 192.500 €, wozu die NRW-Stiftung Heimat und die Stadt Ratingen jeweils 45.000 € beisteuerten. Neben dem Eigenanteil des Vereins von fast 50.000 € wurden 54.000 € aus dem Verkauf von „Dicker Turm-Bausteinen“ und Sponsorengeldern finanziert. Eine Sponsorentafel hängt im Turm.

Nach zwei Jahren harter Arbeit wurde der Turm 2009 fertig- gestellt.  Am 6. Mai 2009 fand in Gegenwart vieler Ehrengäste die offizielle Schlüsselübergabe durch den Bürgermeister Harald Birkenkamp an die Ratinger Jonges statt.

Geschichte des Dicken Turms

Eine liebevoll gezeichnete historische Stadtansicht von Ratingen mit Stadtmauer, Türmen, Kirche und Marktplatz in einer charmanten, alten Kartenoptik.

Der dicke Turm in Ratingen wird das erste Mal 1464 urkundlich erwähnt. Er gehört zur Ratinger Stadtbefestigung und diente dazu, als Kanonenturm die Nordseite der Stadt vom Lintorfer Tor bis zum Ober Tor zu schützen. Die Stadtbefestigung bestand nach Gründung der Stadt im Jahr 1276 zunächst aus Palisaden, einem Graben und einem dahinter liegenden Wall. Bis 1362 wurden dann die vier Stadttore gebaut. Die Mauern der Stadt, bestehend aus einer äußeren und einer inneren Ringmauer, wurden aber erst im 15. Jahrhundert vom Landesherrn Graf Adolf von Berg errichtet. Zur Stadtmauer gehörten damals auch 15 Türme, von denen nur drei erhalten sind: der Dicke Turm, der Trinsen Turm am Rathaus und der Korns Turm in der Wallstraße.

Die Ausmaße des dicken Turms sind gewaltig: die Höhe beträgt an der Straße 13 m und auf der Grabenseite 17 m. Der Durchmesser erreicht 11,70 m. Die Wandstärke beträgt im unteren Bereich bis zu 3,5 m. 1976 wurde der Turm auf Veranlassung des damaligen Stadtdirektors Dr. Dahlmann von 9 m Höhe auf 13 m aufgemauert, eigentlich aus einer Verwechselung der Höhen auf Straßen- bzw. Grabenseite.
Der Dicke Turm verfügt über 3 Etagen. Im Obergeschoss standen Kanonen, mit denen man durch heute nicht mehr vorhandene Luken schießen konnte, im mittleren Raum, der für die Wachmannschaft vorgesehen war, wurden Pulver und Kanonenkugeln gelagert, und im Keller wurden zeitweise Gefangene gehalten, die durch das Loch in der Decke abgeseilt oder „eingelocht“ wurden. Der seitliche Zugang des Kellers war damals nicht vorhanden.

Historische Ansichtskarte von Ratingen mit dem Dicken Turm, einem alten Fachwerkhaus und Personen, die gemütlich auf einem Weg spazieren gehen.
Eine historische Ansichtskarte aus Ratingen zeigt den alten, steinernen Turm mit Efeu bewachsen, umgeben von einer idyllischen, ländlichen Umgebung.
Dicker Turm mit Einengung der Turmstraße

Ab 1862 wurde der Keller auf Antrag der kirchlichen Armenverwaltung als „Eiskeller“ genutzt. Eisblöcke aus dem im Winter zugefrorenen Stadtgraben konnten hier gelagert und bis Mai oder Juni zum Kühlen von Lebensmitteln abgegeben werden. Bei dieser Gelegenheit erhielt der Eiskeller seinen seitlichen Eingang vom Graben her. Im letzten Krieg wurde der Eiskeller als Luftschutzbunker genutzt.

Im Jahre 1901 beantragte die Stadt Ratingen den mittlerweile arg verfallenen Turm abzureißen, da die Turmstraße in diesem Bereich für Fuhrwerke zu eng war. Der Landeskonservator Doktor Paul Clemen und die Landesregierung Düsseldorf lehnten dieses glücklicherweise ab und stellten den Turm unter Denkmalschutz.

1990 vergab die Stadt der Karnevalsgesellschaft „Anger Garde“ eine Patenschaft für den Turm. Diese vermochte es aber nicht, den Turm instand zu setzen. 2006 übernahmen die Ratinger Jonges dann die Patenschaft für den Turm.

Nach einer Zeit der Planung wurde im März 2007 mit den Umbau- und Restaurierungsmaßnahmen begonnen.
Die ursprünglich vorhandene Spitzturmhaube auf dem Obergeschoss wurde nicht wieder aufgesetzt, sondern ein Glasdach eingebaut, das entsprechend einer Auflage der Denkmalsbehörde von unten nicht zu sehen ist. Dadurch entstand ein großer Raum, der von den Ratinger Jonges noch heute für Sitzungen genutzt wird und eine separate Toilette, eine Einbauküche und ein kleines Büro enthält.

Ein alter, mit Efeu bewachsener Steinturm steht malerisch in einer grünen Parkanlage unter einem freundlichen, leicht bewölkten Sommerhimmel.
Turm nach Erneuerung Rückansicht
Wasserburg Haus zum Haus aus der Ferne fotografiert